Wenn in den Weinbergen die Lese beginnt, taucht in vielen Weinregionen ein Getränk auf, das es nur für wenige Wochen im Jahr gibt: Federweißer. Zusammen mit einem warmen Zwiebelkuchen gehört er für viele Weinliebhaber fest zum Herbst. Doch was steckt eigentlich hinter dem trüben, prickelnden Getränk, und worauf sollten Sie beim Kauf und bei der Lagerung achten?
Was ist Federweißer?
Federweißer ist Traubenmost, der bereits zu gären begonnen hat. Die Hefen wandeln den Zucker aus den Trauben nach und nach in Alkohol und Kohlensäure um. Genau das macht ihn so besonders: Er ist kein fertiger Wein mehr und auch kein reiner Saft, sondern ein Getränk mitten im Wandel. Seine Trübung stammt von den Hefen, die in ihm schweben. Den Namen verdankt er der Vorstellung, dass diese Hefeteilchen im Glas wie kleine Federn tanzen.
Je nach Region trägt er andere Namen. In Teilen Deutschlands spricht man auch von Neuem Wein oder Bitzler, in Österreich ist er als Sturm bekannt. Aus roten Trauben gibt es die rote Variante, die oft Federroter genannt wird.
Jeden Tag ein anderer Geschmack
Weil die Gärung weiterläuft, verändert sich Federweißer ständig. Frisch gekauft schmeckt er meist süß und fruchtig, fast wie Traubensaft mit etwas Prickeln. Mit jedem Tag wird er herber, der Alkoholgehalt steigt, und die Süße tritt zurück. Viele Genießer haben deshalb ihren ganz persönlichen Lieblingszeitpunkt. Probieren Sie ruhig an mehreren Tagen hintereinander, um herauszufinden, welche Phase Ihnen am besten gefällt.
Wichtig zu wissen: Durch den süßen Geschmack wird der Alkohol leicht unterschätzt. Außerdem kann die aktive Hefe bei empfindlichen Menschen die Verdauung anregen. Ein Glas zum Essen ist daher meist die angenehmste Art, ihn zu genießen.
Richtig kaufen, transportieren und lagern
Federweißer braucht etwas mehr Aufmerksamkeit als eine normale Flasche Wein. Diese Punkte helfen:
- Die Flaschen sind nicht fest verschlossen, damit das entstehende Gas entweichen kann. Transportieren und lagern Sie sie deshalb immer aufrecht.
- Stellen Sie die Flasche in den Kühlschrank. Die Kälte bremst die Gärung, sodass sich der Geschmack langsamer verändert.
- Kaufen Sie lieber kleinere Mengen und dafür öfter, denn Federweißer ist nur kurz haltbar.
- Verschließen Sie die Flasche niemals luftdicht, sonst kann sich Druck aufbauen.
Zwiebelkuchen als klassischer Begleiter
Dass Federweißer und Zwiebelkuchen so gut zusammenpassen, ist kein Zufall. Die Süße und die frische Säure des jungen Getränks bilden einen schönen Gegenpol zum herzhaften, oft mit Speck und Kümmel gewürzten Kuchen. Traditionell wird der Zwiebelkuchen auf einem Hefeteig oder einem Mürbeteig gebacken und noch warm serviert.
Wer es etwas abwechslungsreicher mag, kann auch einen Flammkuchen, einen würzigen Käse oder geröstete Maronen dazu reichen. Für einen gemütlichen Abend mit Freunden genügt schon ein Blech Zwiebelkuchen, ein Krug Federweißer und ein Tisch mit Blick auf das bunte Herbstlaub.
Eine Einladung, die Weinberge zu besuchen
Die Zeit der Lese ist eine gute Gelegenheit, eine Weinregion aus der Nähe zu erleben. Viele Winzer öffnen im Herbst ihre Höfe, bieten Straußwirtschaften an oder schenken frischen Federweißer direkt aus. So lässt sich der Genuss mit einem Spaziergang durch die leuchtend gefärbten Rebzeilen verbinden. Und wer dabei erlebt, wie viel Arbeit in jeder Traube steckt, schmeckt den späteren Wein mit ganz anderen Sinnen.


